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Deviner Bilderbogen - Ein Tag in Devin

von Jott H. Wangerin


Einleitung

Wenn ein Schiff nach Hamburg will, muss es am berühmten Michel vorbei. Und wenn ein Schiff nach Stralsund will, muss es an Devin vorbei. Wir sind also die ersten Stralsunder, die auf die alte Hansestadt neugierig machen. Seien wir uns dessen bewusst!


Vorbemerkungen

Wer sich der Hansestadt Stralsund von Süden auf der Bundesstraße 96 nähert, fährt eine ganze Weile quasi neben der „Perle der Hansestadt“ entlang, ohne sie (zum Glück für die Einwohner) durchfahren zu müssen. Und da die meisten Menschen sich magisch angezogen fühlen von Einkaufsmärkten, verlassen sie die Hauptstraße, ohne Devin besucht zu haben. Damit haben sie sich eine der schönsten Fleckchen, wie sagt man heute neudeutsch, eines der Filetstücke von Stralsund, entgehen lassen. Da auch etliche Deviner von der Vermietung leben, geht ihnen dadurch leider manches nötige Zubrot verloren. Aber so bleibt Devin andererseits auch das ruhige, verträumte „Dörfchen“ mit sehr viel Charme, in dem man sich noch freundlich begrüßt, weil fast jeder jeden kennt. Und die neu Hinzugezogenen hatten als Eintritt nur ihren guten Willen mitzubringen, um dazuzugehören. Wo gibt es so etwas wohl noch?

 

Short-Story

Die Raupe schnell zu Straße kroch,

im Fahrzeugstrom sah sie ein Loch.

Da Raupen klein und langsam sind,

die Autos aber fahr´n geschwind,

hört´man o Schreck ein kurzes "plupp",

schon war die schöne Raup´kaputt!

 

Wenn im Sommer die Straßen verstopft sind, weil die Ziegelgrabenbrücke auch ein Herz für die Seeleute hat, gibt es hin und wieder ganz pfiffige Autofahrer, die den Stau ausgerechnet über Devin umfahren wollen. Hätten sie es doch bloß vorher in Stahlbrode versucht, dann müssten sie jetzt nicht enttäuscht vom Parkplatz unseres Naturschutzgebietes her die gelobte Insel Rügen so greifbar nahe und doch für sie unerreichbar vor sich sehen. Wie viele Fähr- und Brückenprojekte müssen in diesen Momenten wohl schon von klugen Köpfen ersonnen worden sein!

 

Und wären sie keine kilometerfressenden Autofahrer, würden sie wenigstens jetzt diesen Schicksalswink annehmen und unser „kleines Hiddensee“ in Ruhe einmal umrunden. Man muss nicht erst eine Dampferfahrt unternehmen und Kurtaxe löhnen, um inmitten einer lieblichen Hügellandschaft mit blühendem Ginster, Wildrosen, Weißdorn und einer riesigen Schafherde den Alltagssorgen zu entrinnen, sprich dem Asphaltstreß zu entkommen. Und kann es etwas Schöneres geben, als hier im kuscheligen Gras sitzend aufs Meer zu schauen, die mit den schneeweißen Wolken am blauen Firmament um die Wette gleitenden Segelboote zu beobachten, die genüsslich fressenden Schafe zu riechen und außer dem leisen Wind nichts zu hören? Vor uns die grüne Insel Rügen, im Westen die Kirchtürme von St. Marien und St. Nikolai, die für das Leben der Stadt so wichtige Werfthalle mit einem großen Schiff davor am Ausrüstungskai und viele Kräne.

 

Und wenn sich dann endlich die Blechlawine auf dem Rügendamm wieder in Bewegung setzt, die Autoscheiben in der Sonne ganz kurz aufblitzen, als wollten sie uns signalisieren, dass es wieder losgeht, dann ist immer noch genügend Zeit zum Aufbruch.

 

 

Kaffeeklatsch

Die Wolken steigen weiß vom Feld

zum blauen Himmel, schöne Welt!

Ganz oben eine Lerche singt,

ihr Glück zu mir herunterspringt.

Sie steht am Himmel flatternd still,

als ob sie mich betören will.

Die Halme fliehen leis im Wind,

eh sie vom Schaf verschlungen sind.

Und rastlos kreisen Schäfers Hunde

zur sommerlichen Kaffeestunde.

Zufrieden mit der ganzen Welt,

vernasch ich dich, im blühend Feld.

 

Wer nun diese Pause genutzt hat, um zu erkennen, welches Kleinod er soeben betreten hat, der nimmt sich fest vor, wieder zu kommen, mit mehr Zeit, um all das zu sehen, was die Natur so reichlich zu bieten hat.

 

Lange Zeit war dieses Gebiet den Erholungssuchenden verschlossen. Schon frühzeitig diente es der Soldatenausbildung. Deshalb findet der aufmerksame Wanderer noch überall Schützenmulden, mehrere Dämme ehemaliger Schießplätze, Reste von Unterständen usw. Aber bekanntlich hat jede Medaille zwei Seiten. Durch die jahrelange rein militärische Nutzung wurde die Halbinsel auch bewahrt vor einer extensiven Beanspruchung, so dass sich ihre Natur im wesentlichen erhalten hat. Und nachdem nach der Wende die baulichen Militäranlagen in fleißiger ABM-Arbeit restlos beseitigt wurden, sind die Narben ganz gut verheilt. Der Status eines Naturschutzgebietes verhindert nun hoffentlich für alle Zeiten das Gleichgewicht störende menschliche Eingriffe.

 

 

Aus dem Astmaterial der jahrzehntelang vernachlässigten Kopfweisen wurde als Begrenzung des Naturschutzgebietes eine Benjeshecke aufgeschichtet, im Schutze derer bereits die ersten Bäumchen herangewachsen sind. Und wer sich die Zeit nimmt und in den frühen Morgenstunden dieses Gebiet aufmerksam beobachtet, der wird von der Vielfalt der hier lebenden Tierwelt überrascht sein. Wildkaninchen wird fast jeder schon über die Hügel huschen gesehen haben, oder Rehe, deren Fährten zum moorigen Birkenwäldchen führen. Um einen Dachs zu beobachten oder an den zahlreichen kleinen Tümpeln eine große Ringelnatter Wärme tanken zu sehen, gehört schon mehr Glück dazu. Aber sie gibt es! Stöbern wir sie nicht auf, sondern erfreuen wir uns ihres unverhofften Anblicks! Leider gibt es eine Reihe von „Hundefreunden“, die ihre Lieblinge nicht an der Leine führen, sondern sie abends, wenn der Schäfer nach Hause gefahren ist, Wildtiere oder sogar Schafe hetzen lassen. Der Schäfer klagte mir wiederholt sein Leid und den Ärger mit seinem Chef.

 

Wer nun diese Pause genutzt hat, um zu erkennen, welches Kleinod er soeben betreten hat, der nimmt sich fest vor, wieder zu kommen, mit mehr Zeit, um all das zu sehen, was die Natur so reichlich zu bieten hat.

 

Der Gabentisch der Natur

Der Sund still ruht,

der Fischer auch,

der frische Fang

hängt längst im Rauch.

 

Bevor man nach Devin kommt, begrüßen uns brach liegende Felder, auf denen der Traum einer „Gartenstadt am Meer“ eines pfiffigen Investors glücklicherweise platzte. In den grauen Jahreszeiten sieht es hier wüst und trostlos aus, aber jede Medaille hat auch ihre Schokoladenseite. Ab dem Frühling bis in den Herbst hinein erstrahlen die Felder in einem farbenprächtigen Kleid aus gelb-weißer Kamille, dann rotem Klatschmohn und azurblauen Kornblumen. Das hatten wird in diesem großen Ausmaßen vor der Wende nicht. Lediglich an den Straßenrändern konnten wir uns an dieser Farbenpracht erfreuen. Die Natur sorgt doch immer wieder für unsere Freude. Aber auch die Agrargenossenschaft tut viel für die Liebhaber prächtig leuchtender und süß duftender Felder. Wenn der blühende Raps rund um Devin seinen betörenden Duft aussendet, nimmt man gerne die Scharen von lästigen Rapsglanzkäfern in Kauf. Leider schrumpfen die landwirtschaftlich genutzten Flächen zugunsten von neuen Bebauungsgebieten immer weiter, so dass man sich beeilen sollte, will man diese schönen Eindrücke wenigstens noch auf Video oder Fotopapier für sein Gedächtnis konservieren.

 

Und im Herbst erleben wir für einige Tage die ebenfalls unverwechselbar duftenden blau-violetten Facälienfelder. In und um Devin herum scheint die Natur noch in Ordnung zu sein, jedenfalls essen wir seit Jahren, was die Natur hergibt und erfreuen uns noch bester Gesundheit! Und was bietet sie uns nicht alles im Überfluß? Du musst dich nur überwinden und mit offenen Augen und geeigneten Gefäßen losgehen. Der Herbst ist Erntezeit. Wer jetzt gesund lebt dafür im Winder auch etwas kräftiger den verlockenden Naschereien zusprechen.

 

Es fängt mit Brombeeren an, die man überall finden kann, aber nur dort pflücken sollte, wo kein Autoverkehr vorüber fließt. Am Steilufer nach Andershof z. B. oder in besonderer Fülle am Gartenweg gleich am Dorfeingang. Eine Marmelade aus Brombeeren findet man kaum im Handel. Sie ist durch die harten Samenkörner vielleicht nicht jedermanns Sache, aber mit einer guten Zahnbürste kriegt man die Körner schließlich doch aus den Zahnritzen entfernt. Ihre Herstellung ist denkbar einfach, da sie sehr schnell geliert. Und ihr Geschmack ist einzigartig!

 

In guten Jahren gibt es im Naturschutzgebiet eine wahre Schwemme von Wiesen und Anischampignons. Wem schon einmal der Magen ausgepumpt werden musste, und das überlebt hat, kann danach diese schmackhaften Pilze ganz gut von den Knollenblätterpilzen unterscheiden. Sie laufen etwas gelb an und riechen unverwechselbar nach Anis.
Neben der ehemaligen Ziegelei muss ein herrlicher Garten gewesen sein, dessen Obst trotz fehlenden Baumschnittes ganz hervorragend ist, falls es überhaupt bis zur Reife gelangt. Verschiedene Pflaumensorten, Äpfel und Birnen kann man getrost aufsammeln und verarbeiten. Sie sehen zwar nicht so gepflegt aus, wie auf dem Obststand des nahen Supermarktes, dafür haben sie sich aber ihr natürliches Aroma bewahrt. Wenn ich an den warmen Hefekuchen mit Pflaumen denke, läuft mir das Wasser im Munde zusammen! Obwohl die Obstbäume noch nie gespritzt wurden, findet man weniger Maden als anderswo, was untrügliches Zeichen des natürlichen Gleichgewichtes ist. Und die Birnen werden in die Holundersuppe geschnitten, wo kann man solch ein Gericht wohl bestellen?

 

Besonders gute Holunderbeeren wachsen auf dem zerfallenen Wirtschaftshof hinter Bauer Piehl. Sie sind sehr schnell gepflückt, und ihre Versaftung ist sogar von Junggesellen leicht zu bewerkstelligen. Einfach mit genügend Wasser aufkochen, mit Zucker süßen und abfüllen. Nur Vorsicht bei der Verwendung eines Schnellkochtopfes! Bei dessen Überfüllung sucht sich der kochende Saft den Weg in die Freiheit durch das Sicherheitsventil, und da die Farbe echt ist, muss mindestens die Küche hinterher renoviert werden. Wer es jedenfalls ohne nennenswerte Ferkelei verstanden hat, den Saft zu konservieren, darf getrost an das kommende Schmuddelwetter denken, denn gegen Erkältungskrankheiten wirkt der Saft genauso gut wie Tabletten, nur ist er billiger zu haben. In Devin wachsen zwar keine Esskastanien, aber verwenden lassen sie sich allemal. Einmal kann man mit seinen Kindern lustige Figuren aus ihnen und Streichhölzern basteln. Und wer weiß nicht, wie schlecht man mit kalten Füßen einschlafen kann? Ein Beutel mit Kastanien in der Ofenröhre erwärmt und ans Fußende ins Bett gelegt, hat schon unsere Großmütter in kalten Wintern glücklich einschlafen lassen!

 

Nach den ersten Frösten lohnt es sich, Schlehen zu pflücken. Sie werden nur gewaschen, in einen Steintopf geschüttet und mit heißen Wasser übergossen. Nach 24 Stunden wird der Sud mehrmals (3 bis 4 mal) abgenommen, erneut aufgekocht und über die Schlehen gegossen, bis beim letzten Mal die ganze Flüssigkeit mit Zucker kurz aufgekocht und danach in Flaschen gefüllt wird. Dieser Saft schmeckt vorzüglich und erinnert an Kirschsaft. Nun aber genug von der vegetarischen Kost, es gibt auch genügend Handfestes! Allerdings braucht man dazu mindestens ein Ruderboot. Kürzlich habe ich auch einen Angler beobachtet, der im Südwester bis zum Hals im Wasser stand und seelenruhig die Rute hielt. Mich hat es dabei gefröstelt. Spätestens an Hand der überall qualmenden Räucheröfen kann man sich vom Fischreichtum in der Deviner Bucht überzeugen.

 

Heringssaison

Die Boote dümpeln leicht im Wind,

am Ufer blieb zurück das Kind.

Brav wartet es auf Vaters Fang,

so geht es nun schon tagelang.

 

Bevor wir jetzt gespannt auf Entdeckung der Deviner Umgebung gehen, wollen wir uns stärken, denn es wird eine Weile dauern und der Kreislauf kommt dabei mit Sicherheit in Schwung!


Frühstücksmarathon

Der Kamin brennt, bring Wärme und Leben, der Frühstückstisch ist gedeckt mit heißem Kaffee, Brötchen, Honig, selbstgekochter Marmelade, frischen Tomaten mit Petersilie garniert.

 

Morgens wie ein König – mittags wie ein Edelmann – abends wie ein Bettler – nach dieser Devise sollte man essen.Für mich ist Frühstück das Schönste vom Tage. Deshalb wird eine gemütliche Frühstücksatmosphäre mit Blumen und in der dunklen Jahreszeit auch im leuchtenden Kerzen hergestellt. Die blühenden Blumen und das prasselnde Kaminfeuer machen auch den grauesten Tag hell und gemütlich.

 

So sehr viel anders ist nicht jedes Frühstück, und doch gibt es immer eine Besonderheit. Mal wird der Kaffee mit Salz gekräftigt, mal mit Kakao und Zucker oder Honig, mal Cappuccino gerichtet mit Sahne und Kakao und manchmal gibt es auch ganz viel schöne, heiße, kräftige, süße Trinkschokolade. Also schon beim heißen Getränk wird es niemals langweilig. Dazu gibt es jedes Mal ein Mitgetränk. Morgens schmeckt uns am allerbesten Bananenmilch: 1 Banane, ½ Liter Milch, 1 Päckchen Vanillezucker, zusammen gemixt, bis ein homogenes, schaumiges Getränk entstanden ist, in hohe Gläser gefüllt, ist es nicht nur magenöffnend, sondern auch eine Augenweide und gibt dem Tischensemble ein stilvolles Aussehen. Je nach Jahreszeit gibt es auch Erdbeermilch oder Gemixtes von schwarzen oder roten Johannisbeeren oder auch anderes Obst, das gerade in unserer Gunst steht. Zu den Getränken gibt es meist frisch aufgebackene Brötchen, dazu Quark, Schmand, Butter, Käse, Schinken und Wurst. Was nun noch ganz wichtig ist, sind schöne reife, rote Strauchtomaten, gewürzt mit Salz und Pfeffer und garniert mit viel Petersilie.

 

So lange es irgend geht, stammen die Tomaten und die Petersilie aus dem eigenen Garten. Die Freude über die eigenen Produkte ist stets spürbar, der Geschmack ist ganz anders, die Tomaten sind fest, aber nicht hart, das Aroma ist überwiegend säuerlich mit einer Ahnung von Süßigkeit, die Samen sind nicht aufdringlich, alles stimmt, die Natur hat sie perfekt wachsen lassen, das spürt man und gibt einem die Gedanken, dass man ein gut Stück dazu beigetragen haben.Im Winter essen wir notgedrungen die Tomaten aus Spanien oder von den Kanaren aus den Supermärkten, aber immer gibt es was zu bemängeln, meistens ist es ihre Wässrigkeit oder die harte Schale.

 

Aber die Tomaten sind rot, und rot mag unser Magen, das spüren wir an seinem Arbeitseifer und in unserer Zufriedenheit nach dem Essen. Natürlich gibt es auch Marmelade und Honig. Die Marmelade ist oft selbst gekocht aus den Früchten des Gartens, der Honig manchmal vom Imker aber beide auch gekauft, ist sehr lecker. Mal gibt es mehr Süßes, mal mehr herzhaftes, je nach Gefühlslage. Und Fünf-Minuten-Eier gehören natürlich auch dazu aber in Maßen mal ja, mal nein aber warm und weich müssen sie schon sein. Und nach dem Frühstück wird vor dem Kaminfeuer das Kreuzworträtsel aus der Wochenendbeilage der Ostsee-Zeitung gelöst.

 

Nachdem nun Körper und Geist gleichermaßen gestärkt sind, beginnt endlich unsere Wanderung. Ziel ist die sogenannte Höhe 23. Die militärisch knappe Bezeichnung stammt vom Militär und steht für den 23 Meter hohen Schalksberg. Das ist aber der Berg, der gegenüber dem Schifffahrtszeichen liegt, im Herzen des Naherholungsgebietes, dort, wo die besten Champignons wachsen. Der mit dem Schifffahrtszeichen heißt Bakenberg und ist nur 19 Meter hoch! Die meisten Stralsunder verwechseln das gerne, deshalb die Aufklärung. Längst benutzt jeder diesen Namen nicht nur für die höchste Erhebung unserer Umgebung sondern für die gesamte Halbinsel.

 

Inzwischen stehen Autos aus allen Teilen Deutschlands auf dem Parkplatz. Einigen gefällt es dort so gut, dass sie sich gleich ihren Wohnwagen mitgebracht haben. Es sind ganz bestimmt nicht die allerorts anzutreffenden Knickstiefel, die den neuen Ländern noch nicht einmal das Geld für den Stellplatz gönnen. Nein, wer hierher findet, der liebt ganz einfach die Stille der Natur, und wenn sie dazu noch kostenlos und in einer derartigen Vielfalt zu haben ist, um so besser. Eine bessere Werbung für Devin als Ortsteil von Stralsund kann es nicht geben. Man könnte auch behaupten, eine großzügige Entschädigung für manche erlebte Enttäuschung in der Hansestadt selbst. Oder hatten Sie zum Beispiel noch kein Knöllchen unserer fleißigen Politessen?

 

Strandwanderung

Behende gleitet sie ins Meer,

begehrend Blicke hinterher.

Vor Jahren wär´ ich nachgesprungen,

doch längst schon ist der Mut verklungen.

 

Wer in Devin lebt, braucht zwar ein Auto für die tägliche Fahrt zur Arbeit, den Einkauf oder auch die zahlreichen Behördengänge, damit ist alles bequemer zu erreichen, aber ein ausreichender Busverkehr besteht seit langem.

 

Jedoch am Wochenende, wenn aus der Stadt ein dichter Verkehrsstrom an die umliegenden Strände einsetzt, dann sind wir längst dort, wo andere noch im Stau steckend hinwollen und können unbeschwerte Strandwanderungen unternehmen und sind zudem erholt rechtzeitig zum Mittagessen wieder zu Hause! Kann man es besser antreffen?

 

Nun gut, es ist kein feinsandiger Ostseestrand, aber sonst steht er dem in nichts nach. Flache Strandabschnitte wechseln mit dem Steilufer ab, schilfige Abschnitte mit lauschigen Plätzchen unter vom Sturm zerzausten schattenspendenden Bäumen, weit bis an die Fahrrinne reichende Landzungen voller Schwäne und Enten, Seetang, Quallen, Fossilien, Badenixen, kurzum, es ist für jeden etwas dabei. Und dazu eine Stille, in der man unwillkürlich zu träumen beginnt. In etwa zwei Stunden kann man die Halbinsel vom Deviner Wohngebiet ausgehend einmal umrunden, war dann aber noch nicht am Deviner See entlanggegangen, der für sich allein schon ein Erlebnis ist.

 

Am besten beginnt man die Wanderung von Devin-West. Hinter diesem neuen Wohngebiet hat man den besten Ausblick. Unweigerlich geht der Blick ans gelbe Ufer. Früher konnte man diesen herrlichen Blick bereits von der Chaussee aus genießen. Und wer erinnert sich nicht an die blühenden Klatschmohnfelder, durchwachsen von Kamille oder das Facälienfeld der KAP Andershof unmittelbar am Ortseingang! Und natürlich die betörend duftenden Rapsfelder. Dafür haben wir jetzt sehr viel mehr Häuser aber kaum mehr Leben im Ort. Es ist eben eine andere Zeit ohne Zeit füreinander. Kohls Provision für die DM.

 

Nachdem nun Körper und Geist gleichermaßen gestärkt sind, beginnt endlich unsere Wanderung. Ziel ist die sogenannte Höhe 23.

 

Vorbei an einer sehr gepflegten Gartenanlage überwindet man über eine ordentliche Stahltreppe problemlos das Steilufer und trifft am Strand auf die ersten Segler und Surfer. Der Wind weht hier meist aus Nordwest, so dass man flugs auf der anderen Seite des Strelasunds angekommen ist, auf Rügen. Man muss die Fahrrinne queren und deshalb die Augen offen halten. So nahe ist uns die Insel, und genauso sieht auch die Landschaft auf unserer Seite aus. Bald schon kommen wir an den eigentlichen Deviner Badestrand, an dem bereits unsere Eltern, allerdings damals noch an nach dem Geschlecht getrennten Abschnitten sittsam baden gingen. Damals verkehrten Ausflugsdampfer von Stralsund über Grahlefähr hierher oder man leistete sich eine Kutsche. Devin war immer ein beliebte Ausflugsort mit einem herrlichen Park mit seinen unzähligen Wanderwegen bzw. der Kastanien-Allee direkt bis ans Steilufer.

 

Der Park ist nicht groß? Es ist ohne weiteres möglich, eine halbe Stunde durch den Park zu wandern, ohne einen Weg doppelt zu benutzen! Ich habe es oft ausprobiert mit meinem Enkelkind, das solange bergauf und bergab im Kinderwagen geschoben wurde, bis es beim Rauschen der alten Bäume und sanft geschaukelt auf den etwas holprigen Wegen in tiefen Schlaf versank. Am Steilufer treffen wir immer wieder auf umgefallene Bäume, die durch Wind und Meer im Verlaufe der Jahre den Halt an der Böschung verloren haben.

 

Standgut ist Allgemeingut und so ist schon mancher Stamm inzwischen durch meinen Kamin gewandert. Aber eine Gefahr für die spielenden Kinder stellen sie auch dar. Schon manches Mal musste ich die sich unter den freihängenden Wurzeln Höhlen grabenden Kinder auf ihren Leichtsinn hinweisen. Passiert ist zum Glück noch nichts. Wenn das Wasser normal steht, gelangt man trockenen Fußes bis zur Jugendherberge, ansonsten muss man über die Strandstrasse dne oft überschwemmten Strandabschnitt umgehen. Das lohnt allemal, denn diese Straße hat sich ihren Charme erhalten. Die Jugendherberge hat bisher allen Wendeproblemen standgehalten und sieht schöner den je aus.

 

Sie stellt zur überwiegend älteren Deviner Bevölkerung den nötigen Kontrast her. Sie ist ganz einfach eine Stätte der Jugend und damit unserer Zukunft. Dafür kann man störende Begleiterscheinungen in Kauf nehmen, schließlich war wir auch einmal jung. Der Standabschnitt im Bereich der Jugendherberge bis zur letzten Kleingartenanlage ist flach und sonnig, und die unbedacht weggeworfenen Scherben und Blechbüchsen werden Gott sei Dank ab und an von vernünftigen Menschen aufgesammelt, so dass man im Sommer insbesondere mit Kleinkindern die schönsten Sandburgen bauen kann. Hier fließt auch der Deviner Bach in den Strelasund. Manchmal ist er so breit, dass man nicht hinüber springen kann, ein andere Mal bemerkt man ihn aber auch gar nicht. Aber er ist dennoch da. Unaufhörlich schickt er frisches Wasser in den Strelasund.

 

Der durch Stacheldraht für Unbefugte versperrte und insbesondere dadurch unansehnlich gewordene Bootssteg der Kleingärtner und Angler erinner an unselige Zeiten. Dabei könnte er für jeden Besucher als Mini-Seebrücke eine kleine Attraktion sein. Vielleicht tut sich hier in Zusammenhang mit dem Bau der Gaststätte ja noch etwas. Jetzt kommt ein sehr urwüchsiger, allerdings meist schattiger Strandabschnitt, wo viel Seetang angeschwemmt wird und der Sturm den Sträuchern und Büschen ihr charakteristisches Aussehen gegeben hat. Windflüchter, bestens geeignet zum Bau von Verstecken und Strandburgen. Danach wird es unvermittelt sehr steinig, und wer die nötige Ruhe zum Absuchen der Steinfelder mitbringt, wird irgendwann fündig. Donnerkeile, versteinerte Seeigel, nordische Korallen und andere Fossilien der Kreidezeit habe ich hier schon gesammelt. Bernstein allerdings kommt im Strelasund eher selten vor. Hühnergötter findet hier sogar der Laie.

 

Plötzlich stoßen wir auf einen großen Findling, auf dem mit weißer, scheinbar wetterfester Farbe das Zauberwort FKK steht.

 

Bald schon gelangt man nun an den wohl schönsten Strandabschnitt. Im Bereich des Bakenberges trifft sich jung und alt, dick und dünn, Hund und Katze, Segler und Motorbootkapitäne, Stralsunder und Weitgereiste. Hier kann man sich getrost niederlassen. Während man sich sonnt, kann man die rastlos in ihre Bruthöhlen fliegenden Uferschwalben und vieles mehr beobachten.

 

Und wer die Sonne nicht mag, steigt einen schönen, von Ginster gesäumten Hohlweg zum Bakenberg hinauf und hat dann die prächtige Stadtsiluette  vor sich. Von hier oben überblickt man die gesamte Halbinsel, und wenn man ein scharfes Auge hat und etwas Phantasie, dann kommt man zu dem Ergebnis, das es sogar eine Insel sein könnte, auf der man sitzt, die der Deviner Bach vom Festland abtrennt. Tatsächlich aber kommt er nicht vom Deviner See, sondern aus Teschenhagen. Egal, ob Insel oder Halbinsel, einen schöneren Platz als diesen kenne ich nicht. Währen über dem blauen Sund die schneeweißen Wolken dahinziehen, kleine und größere Boote nach einem nicht zu durchschauenden Prinzip umherschippern, eine große Schafherde alleine von zwei Hunden und einem Schäfer über die saftigen Grünflächen dirigiert wird, in das unter uns liegende Birkenwäldchen ein Reh hineinflüchtet kehrt in unser Herz Frieden ein. Wenn doch bloß nicht überall der Wohlstandsmüll funkeln und glitzern würde.

 

Leider vergessen immer mehr Badegäste ihr Verpackungsmaterial wieder mit nach Hause zu nehmen und so bläst es der Wind überall hin. Allmählich wird das Steilufer wieder flacher, der Strand schmaler, daneben eine riesige Ginsterfläche, die an eine Tannenschonung erinnert, und dann können wir auf einer schmalen Landzunge bis dicht an die Fahrrinne herangehen. Am Deviner Haken halten sich ständig unzählige Wasservögel auf.

 

Während sich am Ufer Berg und Tal ablösen, können wir auf der Rügener Seite die Prosnitzer Schanze sehen, die den Strelasund querende Starkstromleitung und befinden uns plötzlich gegenüber dem Neuhofer Hafen am Eingang zum Deviner See, der sich tief in das Land hineinzieht, und an dessen Ende sich die Autoschlange gen Stralsund bewegt. Vorbei an der ehemaligen Ziegelei, am Strand und auf dessen Weg liegen noch vereinzelt gelbe Hartbranntsteine mit der Aufschrift OTTO HOSSFELD STRALSUND herum, verhindert der Schilfgürtel des Deviner Sees die Fortsetzung des Strandspazierganges. Dafür entschädigt ein wunderschöner Weg vorbei an alten Obstbäumen durch eine sanfte Hügellandschaft und auf einer uralten Weidenallee hinauf zu den Höhen, wo man erneut den großartigen Blick auf Stralsund genießen kann.

 

Auf einer Plattenstraße vorbei an Gartenanlagen und Feldern wandern wir zurück nach Devin. Wer gut zu Fuß ist und sich Zeit für die Schönheiten der Natur lässt, schafft die Runde in gut zwei Stunden. Und wenn er nun noch Appetit und Durst im Kurhaus stillen könnte, so wie es unsere Väter taten, hätte diese Strandwanderung ihren krönenden Abschluss gefunden. Da das zur Zeit aber noch nicht möglich ist, kochen wir uns selbst etwas. Natürlich vom Gabentisch der Natur.


Hefeklöße mit Holunderbeersuppe - Zutaten für 4 Personen

Es fing bereits in der Woche an. Ich bekam einen Schnupfen. Da gibt es am Wochenende Holunderbeersuppe, sie vertreibt ganz schnell jede Erkältung. Also machten wir uns auf den Weg, um große, reife Beeren zu erkunden. Eigentlich wachsen Holunderbüsche überall und zu dieser Jahreszeit sind die Beeren reif.

 

Aber keine sind uns gut genug. Die einen wachsen zu dicht an der Straße, sie könnten bleibelastet sein, die anderen sind noch nicht ganz reif und an den großen Dolden zeigen sich nicht grüne Beeren, die soll man nicht essen, sie sind giftig, die nächsten sind schon zu alt und schrumplig. Aus diesen Gründen kommen die einen und die anderen nicht in Frage.

 

Aber dann haben wir schöne, große, reife Beeren gefunden weit weg von der Straße. Da wo Bauer Piehl einst ackerte, nun liegt hier alles brach und verwildert. Zwar hängen die Sträucher nicht so voll wie im vergangenen Jahr, aber für unsere Suppe reicht es allemal. Schnell sind sie gepflückt und der Hefeteig angesetzt.

 

400g Mehl, eine Prise Salz, 1 Päckchen Vanillezucker in eine große Schüssel geben. Mit der Hand in der Mitte eine Vertiefung kratzen, 1 Päckchen Trockenhefe einstreuen, 1/8 Liter warme Milch dazutun und nun mit der großen „Mördergabel“ gut durchrühren. Mit einem Tuch zugedeckt den Teig gehen lassen. Wenn man merkt, er kommt in Bewegung, wird groß und wächst unaufhörlich, dann 2 gequirlte Eier und 200g gute Butter dazugeben und mit dem Mixer eine homogene Kugel kneten, bis sie sich vom Schüsselboden abhebt. Dann ist der Teig geschmeidig, er glänzt, jetzt schmeckt er schon warm und heftig und lässt herrliche Klöße ahnen. Aber nun muss er ein 2. Mal mit einem Tuch zugedeckt an einen warmen Ort gehen, um jetzt wirklich groß und gewaltig zu werden. Dass es soweit ist, merkt man meistens daran, dass der Teig über den Schüsselrand quillt. Er hat dann große Poren und fällt leider beim weiteren Bearbeiten wieder etwas zusammen. Aber das macht nichts. Was sein muss, muss sein.

 

Die Holunderbeeren werden mit einer Gabel von den Dolden befreit, in heißem Wasser aufgekocht und abgeseiht. In den klaren Saft werden 3 zerkleinerte Äpfel oder Birnen reingeschnitten, gargekocht, mit dem Saft einer Zitrone und Zucker abgeschmeckt. Ich dicke mit Kartoffelmehl etwas an, dann ist die Suppe schön sämig und sie isst sich besser. Jetzt den Topf mit etwas Wasser, gut bodenbedeckt, zum Kochen bringen.

 

Dann aus dem Teig eine große Kugel formen, auf ein Leinentuch legen, den Kochtopfdeckel lose darüber festhalten und die 4 Zipfel des Tuches auf dem Deckel festhalten. So den Deckel mit Kloß und Tuch über das siedende Wasser hängen. Nach etwa 20 Minuten ist der Kloß durchgegart. Das Anrichten kann beginnen. Den Kloß teilen, auf 2 tiefe Teller verteilen, in die Mitte mit den Zeigefingern der linken und rechten Hand eine Kuhle reiße und braune Butter einträufeln, dann die Holundersuppe reichlich überfüllen.

 

Dass Essen sättigt sehr und eigentlich reicht pro Person 1 Kloß. So ein Essen macht nicht nur satt, sondern auch für Stunden zufrieden. Aber es macht auch faul und müde. Heute überwinden wir aber mal den inneren Schweinehund und nutzen den Nachmittag für sportliche Betätigung.


Devin, Stralsunds größter Sportplatz

Devin und seine Umgebung bietet für fast jede Sportart und zu jeder Jahreszeit die allerbesten Voraussetzungen. Und alles ist kostenlos zu haben! In den letzten kalten Wintern 1995 und 1996 war die Höhe 23 das reine Wintersportmekka. Der Parkplatz reichte längst nicht aus, um alle Autos, die bis aus Greifswald und Grimmen hierher kamen, aufzunehmen, so dass das Feld an der Plattenstraße bis zum Dorfeingang vollgeparkt wurde. Man konnte nach Herzenslust mit dem Schlitten die Berge hinabsausen, gleichfalls mit Schiern oder im Langlauf die Insel umrunden, auf dem Sund Schlittschuh laufen oder besinnlich zu Fuß wandern, auf dem schneebedeckten Eis Schilanglauf machen usw. Tausende tummelten sich bei herrlichem Sonnenschein auf den Hängen. Im Fernsehen wurde tagtäglich vom Alsterspektakel in Hamburg berichtet. Bei uns war es viel schöner, und das auch ohne Glühwein- und Bockwurstverkäufer! Und das wir nicht ins Fernsehen kamen, hat uns nicht gestört. 190 Autos zählte ich noch am späten Nachmittag!

 

Wo wurde an diesen herrlichen Wintertagen wohl mehr Sport getrieben als hier! Frische Spuren im Schnee wiesen den Neulingen den Weg. Und war auf dem Sund erst einmal eine Spur gezogen, so fand sich bald eine neue daneben, und so ging es wagemutig immer weiter aufs Eis hinaus und nachdem der Eisbrecher aufgab schließlich hinüber bis nach Drigge.

 

Vom Kurpark aus fuhren einige ganz wagemutige sogar mit ihrem Auto aufs Eis, hinten den Schlitten angebunden und dann ging es laut juchzend ab bis nach Andershof. Sicher ein einmaliges Erlebnis, aber auch ganz schön riskant und deshalb nicht zum Nachahmen empfohlen.

 

Wer Schilanglauf betreiben wollte, konnte vom Ortseingang über die Deviner Mark an der Bauschuttaufbereitung vorbei zwischen dem Deviner See und der Gartenanlage hindurch bis zur Höhe 23 laufen, ohne die Schi abschnallen zu müssen. Der große Parkplatz am Eingang des Naturschutzgebietes ist bei schönem Wetter zu jeder Jahreszeit mit Autos belegt. Von hier aus beginnt für viele Besucher das Wandern über Berg und Tal. Hier holt man sich die verbrauchte Energie zurück. Tatsächlich kann man an manch einer Steigung ganz schön ins Schwitzen kommen. Ein schneller Wanderschritt ist immer noch gesunder als ein langsamer Laufschritt. Und man ist hinterher nicht durchgeschwitzt. Immer häufiger fahren Stralsunder mit ihren Kindern hierher, um ihre beim Sturzflug laut dröhnenden, angsteinflößenden Lenkdrachen auszuprobieren. Und weit und breit befinden sich keine Stromleitungen oder andere Gefahrenquellen, so dass man diesem Sport in ungetrübter Freude nachgehen könnte, wenn dort nicht das böse Verbotsschild wäre. Auf die Wanderer und urplötzlich auftauchenden Läufer sollte man schon Rücksicht nehmen, ansonsten spricht doch nichts dagegen. Für Langstreckenläufer ist Höhe 23 ideal.

 

Der Boden ist leicht federnd, die Luft ist sauber und nach erholsamen flachen Abschnitten folgen schweißtreibende steile Anstiege. Ein geübter Läufer umrundet die Halbinsel auf dem Hauptweg in knapp 20 Minuten. Aber 20 Minuten Sport reichen nicht aus, um die gewünschten Effekte zu erzielen, und deshalb läuft man vom Park aus am Strand entlang bis zum Bakenberg – im weichen Sand ist das sehr anstrengend – umrundet dann auf dem Hauptweg die Halbinsel und läuft sich dann auf der Plattenstrasse bis zum Park aus. Dafür muss man etwa 45 Minuten rechnen, und das ist genau das richtige Trainingsmaß. Danach kalt geduscht (oder im Sund gebadet!) fühlt man sich wie neugeboren. Es gibt natürlich auch für Anfänger genügend abwechslungsreiche Trainingsstrecken auf der Höhe 23 oder bereits im Kurpark. Hier trifft man häufig auf Gleichgesinnte, und in der Gruppe macht bekanntlich alles mehr Spaß.

 

Für den Wassersport sprechen die vielen in den Wellen dümpelnden Boote. Ob durch Ruder, Segel oder Motor vorwärtsgetrieben, in der Hitze des Sommers findet man auf dem Wasser die ersehnte kühle Brise und jede Menge ungestörter Plätze. Ein Sprung vom Boot ins kühle Nass ist doch etwas ganz anderes, als wenn man vom Ufer aus über zum Teil steinigen, verkrauteten Boden ins tiefere Wasser waten muss, um endlich schwimmen zu können. In der Deviner Bucht wird, wenn auch noch zögerlich, so doch Wasserskisport betrieben. Und an einem heißen Sommertag hing sogar jemand an einem vom Motorboot gezogenen Gleitschirm. Dann wendete unverhofft das Motorboot und zu unserem größten Vergnügen fiel der Himmelstürmer ins Wasser und gab danach auf.

 

Zum Surfen ist das Deviner Revier ausgezeichnet geeignet. Das Wasser ist anfangs recht flach, so dass der Anfänger nach jedem Fehlversuch relativ leicht wieder auf sein Brett kommt. Und wenn er es dann nach unendlich vielen Versuchen endlich gepackt hat und erstmals stolz über die Wellen dahingleitet, muss er sich nicht unbedingt mit einer Halse oder gar Wende plagen, um ans heimische Ufer zurückzukommen, sondern er muss „nur“ die Nerven behalten und solange oben bleiben, bis er auf Rügen im flachen Wasser absteigen kann. Dort kann er in aller Ruhe das Brett umdrehen und möglichst unverkrampft Kurz auf Devin nehmen. Denn der Wind bring ihn in der Regel dahin zurück, wo er hergekommen ist. Aufpassen muss man aber auf die im Wasser liegenden Findlinge und Bojen der Bootsbesitzer. Wenn man dagegen fährt, geht schon mal die beste Ausrüstung zu Bruch. Auf für Fortgeschrittene lohnt es sich hier zu surfen. Man kommt mit seiner Ausrüstung bequem dicht ans Wasser herangefahren. Bei vielen guten Revieren geht das nicht oder es kostet Geld.

 

Der Wind bläst meistens recht böig aus West/Nordwest, so dass man schnell auf Tempo kommt. Auch die schnellsten Motorboote sehen dann alt aus. Dazu braucht man natürlich ein Trapez, sonst ist man mit seiner Kraft ganz schnell am Ende. Und wenn es einen dann bei der Wende doch vom Brett haut, ist es auch für geübte Surfer gar nicht so einfach, das Brett in den Wind zu drehen und bei den kurzen Wellen schnell genug aufzusteigen und schon beim ersten Versuch das Segel aus dem Wasser zu kriegen und loszufahren.

 

Für reine Badeurlauber ist unbestritten die Ostsee besser als der Strelasund. Aber wer will schon im Urlaub nur am Strand herumliegen? Es gibt genug davon, aber aktiver Urlaub ist gesunder und hält auch länger vor. Und wer die Sache so betrachtet, ist hier gerade richtig. Nachdem sich hinter der Jugendherberge auch ein Bootsverleih etabliert hat, bei dem man Wassertreter und andere Wasserfahrzeuge ausleihen kann, findet der Urlauber bei uns alles für seine Erholung.


Deviner Farbtupfer

Und was kommt nach der Natur? Grelle Farben schreien uns förmlich von überall an und werben für die unterschiedlichsten Produkte und Dienstleistungen. Das wollen wir doch eigentlich überhaupt nicht. Wer guckt da denn noch hin? Und der Seele tut es schon gar nicht gut. Aber damit müssen alle fertig werden, nur die vielfältigen Schmierereien müssen wirklich nicht sein und sind eine schlechte Visitenkarte. Wie schön sah zum Beispiel vor einigen Jahren noch die Bushaltestelle aus! Ein Deviner hatte fein säuberlich einen übersichtlichen Ortsplan auf die Wandfläche gemalt. Jeder Besucher konnte sich danach einwandfrei orientieren, und sauber und heil war die Halle auch. Heute nun sind die Wände mit grässlichen Farben und Sprüchen verunstaltet. Die Bank ist zerstört und man mag sich noch nicht einmal bei Regen dort unterstellen, ganz dreckig kommt sich hier vor. Wenn man sich allerdings doch überwindet und sich mit dieser Entwicklung abfindet, entdeckt man ab und zu auch hoffnungsvolle Anzeichen.


Notizen aus dem Buswartehäuschen

Nicht immer nur geistlose Schmierereien findet man beim Studium der Bushaltestellen, sondern an den Wänden drückten die Wartenden häufig auch ihre Gefühle und Empfindungen über ihren Aufenthalt in Devin aus. Und spätestens jetzt wird einem klar, dass die heutige Jugend sich doch gar nicht so sehr von der unsrigen unterscheidet. Was wir früher schlicht in die Bäume ritzten, hat sich heute zu ausdrucksstarken Grafitty-Kunstwerken entwickelt, bis dann durch Übersprühen ein neuer Trend entsteht.

 

Hier nun einige Beispiele:

 

 

Wenn die große Liebe naht, dann nützt kein Zaun aus Stacheldraht.

 

Mädchen sind wie Waschmaschinen. Hat man sie erst angemacht, drehen sie gleich durch.

 

Mädchen sind wie der elektrische Strom. Hat man sie angeknipst, bekommt man einen gewischt.

 

Man könnte sicherlich ein Buch füllen mit witzigen und auch niveauvollen Sprüchen in Stralsunder Bushäuschen. Über den wunderschönen Park und das leider total heruntergekommene Kurhaus ist schon einiges gesagt worden. Bleibt wirklich nur die Hoffnung auf bessere Zeiten. Das zerstörte Kriegerdenkmal erregt in der Zeitung die Gemüter. Aber dadurch werden die Findlinge nicht wieder an ihren angestammten Platz bewegt. Eine Bürgerinitiative würde es vielleicht schaffen, bis andere es erneut verwüsten. Demokratie muss eben erst erlernt werden, die ist nicht von alleine da!

 

Unmittelbar nach der Wende wurde die große Bank unter der Friedenslinde in der Dorfstraße instandgesetzt, aber dort sitzt niemand. Unkraut versteckt die Bank unter sich. Die Euphorie ist der Realität gewichen. Jeder hat mit sich genug zu tun. Schade! Geschichte erlebt hat das große Gebäude an der Ecke Dorfstraße zur Strandstraße. Neben einigen Wohnungen beherbergt es heute eine kleine Gaststätte im ehemaligen Dorfkonsum. Aber schaut man genauer hin, kann man die alle Jahre und Epochen überdauernde Aufschrift „Hotel und Pension“ über einem großen Fenster noch ganz deutlich entziffern. Dort soll früher regelmäßig ein reicher russischer Fürst eingekehrt sein. Wenn man die Augen schließt, kann man das Rattern der achtspännigen Kutschen und das Rauschen der prächtigen Kleider hören.

 

Der Teschenhäger Weg führt an der ehemaligen Mülldeponie vorbei. Als ihre Zeit endlich gekommen war, hieß es noch, sie werde begrünt und mit Bäumen bepflanzt. Aber dann richtete die Stadtwirtschaft dort vorübergehend eine Bauschuttdeponie- und Aufbereitung ein, und wir haben gelernt, was sich hinter vorübergehend verbirgt. Ich denke, eine Dauerlösung. Sie passt aber wirklich nicht in unser schönes Wohn- und Naturschutzgebiet Devin und müsste schleunigst ins Gewerbegebiet verlegt werden. Noch soviel Erlebtem wird es höchste Zeit ans Abendbrot zu denken.


Ein sündiges Abendbrot

Gulasch halb und halb mit Apfel-Pflaumen-Kompott mit Champignons und Äpfel und Pflaumen aus dem Naturschutzgebiet - angerichtet mit einer geschlossenen Zucchini-Blüte frisch aus dem Garten - dazu frische Tomaten- und Gurkenscheiben aus dem Garten.

 

Zucchini, ist das wirklich richtig geschrieben? Alles um dieses Gemüse ist mir so neu, dass ich mich total unsicher fühle, wenn es darum geht, darüber zu sprechen oder zu schreiben, aber allmählich wachsen unsere Erfahrungen und damit die Sicherheit im Umgang mit diesem für uns neuen Gemüse. Schließlich kannten wir es ja bis vor kurzem nur vom Hörensagen. Unser Ausflug hat sich in mehrfacher Hinsicht gelohnt, die Arbeit kann nun beginnen. Fleisch kurz anbraten, mit 3 großen Gemüsezwiebeln, 5 Tomaten aus dem Garten, nach einer halben Stunde mit einem Glas Champignons von Onkel Aldi ablöschen, mit Salz und Pfeffer würzen, es duftet herrlich und schmeckt auch schon köstlich. Nur nicht zu viel von dem guten Sud naschen, sonst wird die Soße dünn. Inzwischen habe ich die gesammelten Champignons geputzt, gewaschen und der Länge nach geschnitten auf ein Abtropfsieb in die Abendsonne gestellt.

 

Wenn das Fleisch gar ist, werden die Pilze dazu getan und noch einmal gut 5 Minuten durchgekocht, danach mit saurer Sahne den Geschmack von Fleisch und Soße verfeinern, nun sieht alles gut aus und schmeckt phantastisch. Dazu gibt es Spätzle, gekocht in Salzwasser, geschwenkt in brauner Butter mit frischer Petersilie. Jetzt anrichten auf den geerbten Tellern, dem feinen Stralsunder Porzellan von anno dazumal. Dazu einen Mazedonischen Rosé und als Nachtisch Apfel-Pflaumenkompott. Er wird nur in Wasser gekocht und mit einem Päckchen Vanillezucker verfeinert.

 

Wir hatten viel Spaß, aber auch unsere eigene Geschichte zu diesen Gerichten und das macht es uns so einmalig und nachhaltig wirksam.

 

Und wie wär´s mit Ihnen? Folgen Sie unserer Einladung und gehen unseren Spuren nach! Sie werden feststellen, übertrieben wurde nicht, eigentlich ist alles noch viel schöner, als es beschrieben werden konnte. Devin – der schönste Teil unserer alten Hansestadt! Die Perle vom Strelasund! Aber nehmen Sie sich etwas mehr Zeit dafür!

 

Es muss ja nicht nur im Sommer sein.Die Halbinsel ist zu jeder Jahreszeit ein lohnendes Ziel, ein Geheimtipp für Naturliebhaber, aber wem sag ich das!

 

Jott H. Wangerin


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